Spiegel Online, 12.11.2019

 

Hunderttausende betroffenDeutsche Thomas Cook streicht alle Reisen für 2020

Der zahlungsunfähige Reiseveranstalter Thomas Cook hat alle bereits gebuchten Reisen für das kommende Jahr abgesagt - auch wenn sie bereits bezahlt wurden.

Von der Absage betroffen sind Urlauber mit Pauschalreisen der Veranstaltermarken Thomas Cook Signature, Thomas Cook Signature Finest Selection, Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen und Air Marin sowie über Thomas Cook International gebuchte Trips. Für den Zeitraum bis September 2020 hatten früheren Angaben zufolge etwa 660.000 Urlauber gebucht.

"Es tut uns unendlich leid", wird Stefanie Berk, Vorsitzende der Geschäftsführung, zitiert. Durch die Absage hoffe man, Kunden und Vertriebspartnern "die notwendige Planungssicherheit geben zu können". Dem Unternehmen zufolge gibt es bislang kein belastbares Angebot für die Fortführung des Unternehmens als Ganzes oder für das Veranstaltergeschäft der Thomas Cook Touristik GmbH.

Einstellung des operativen Geschäftsbetriebs zum 1. Dezember

Der Reisekonzern war in den Sog der Pleite der britischen Mutter geraten. Die deutsche Thomas Cook stellte am 25. September den Insolvenzantrag
. Während die durch die Pleite des Mutterkonzerns ebenfalls angeschlagene Fluggesellschaft Condor mit Staatsmillionen gerettet wird, muss der Reiseveranstalter ohne Kredit der öffentlichen Hand auskommen.

Vielmehr wird aus rechtlichen Gründen nun die Einstellung des operativen Geschäftsbetriebs zum 1. Dezember 2019 vorbereitet. Das hatte die Thomas Cook Touristik GmbH, zu der Neckermann Reisen, Air Marin und Thomas Cook Signature gehören, bereits mitgeteilt.

Die von der Insolvenz betroffenen Feriengäste sollen von Dezember an entschädigt werden. Klar ist allerdings, dass die versicherte Summe bei weitem nicht ausreicht - und dass Geschädigte nur einen Teil ihrer Auslagen zurückbekommen. Die deutsche Thomas Cook war nur bis 110 Millionen Euro beim Versicherer Zurich
versichert. Zum Zeitpunkt der Insolvenz waren 140.000 Reisende unterwegs, die ihren Urlaub teils abbrechen mussten. Dazu kommen Gäste, die wegen des Reisestopps nicht starten können oder konnten, ihren Urlaub aber schon an- oder voll gezahlt haben.

Die Geschäftsleitung und die vorläufigen Insolvenzverwalter versuchten dennoch unter Hochdruck, noch bis zum Monatsende jede sich bietende Chance für den Erhalt des Traditionsunternehmens zu nutzen. Konkrete Angebote gebe es für die Bucher Reisen & Öger Tours GmbH, trotzdem könne die Durchführung der gebuchten Reisen nicht gewährleistet werden. Konkurrent DER Touristik wiederum strebt die Übernahme der Hotelmarke Sentido und den Kauf der Reisebüro-Franchisemarke Holiday Land an.

apr/dpa