Handelsblatt, 05.06.2012

 

Eon verkauft deutsche Töchter

Jürgen Flauger Düsseldorf.

Eon zieht sich im Zuge des Sparprogramms auch aus mehreren deutschen Regionen zurück. Der Energiekonzern will sich von drei seiner sieben regionalen Versorger trennen: Eon Thüringer Energie, Eon Westfalen Weser und Eon Mitte.

Die Unternehmen betreiben in Teilen von Thüringen, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Westfalen Strom- und Gasnetze und beliefern über diese rund drei Millionen Kunden. Bislang führte Eon die Regionalversorger gemeinsam mit kommunalen Partnern, hatte aber stets Wert auf einen Mehrheitsanteil gelegt. Wie das Unternehmen jetzt mitteilte, will es Anteile an die Stadtwerke und Landkreise abgeben - und ist auch zu einem kompletten Rückzug bereit.

Eon will sich künftig auf die vier größten Regionalversorger konzentrieren: Eon Bayern, Eon Avacon in Niedersachsen, Eon Edis in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie Eon Hanse in Hamburg und Schleswig-Holstein. Diese Unternehmen stünden für drei Viertel des heutigen Regionalgeschäfts von Eon und bildeten einen "schlagkräftigen Verbund", teilte der Konzern mit.

Lange Zeit galt der Betrieb der regionalen Stromnetze als fundamentaler Teil des Eon-Geschäfts, weil er den direkten Zugang zu den Kunden verschaffte. Jetzt reagiert Eon-Chef Johannes Teyssen aber auf einen hohen Investitionsbedarf. Mit der Energiewende müssen auch die regionalen Netze modernisiert werden, um den rasanten Ausbau der erneuerbaren Energien bewältigen zu können. Eon selbst ist durch den Atomausstieg aber finanziell angeschlagen. Teyssen hatte dem Konzern deshalb im vergangenen Sommer ein neues Sparprogramm verordnet und angekündigt, Tochtergesellschaften zu verkaufen.

"Die Energiewende ist für unser Regionalversorgungsgeschäft in Deutschland Herausforderung und Chance zugleich", sagte Thomas König, der bei Eon für das Netzgeschäft in Deutschland verantwortlich ist: "Dazu müssen wir aber unsere finanziellen Ressourcen stärker konzentrieren und einen noch engeren Schulterschluss mit unseren kommunalen Partnern finden."

Mit Ausnahme von Thüringen gibt Eon mit den Versorgern aber nicht automatisch auch die Kunden in den betroffenen Regionen ab. Die rund sechs Millionen Strom- und Gaskunden werden von der überregionalen Konzerntochter Eon Vertrieb Deutschland betreut.