Dieburger Anzeiger, 10.05.2012

 

Batteriespeicher sammeln Strom

Energiewende: HSE installiert Anlage in der Römerhalle

Dieburg (mj) - Es ist eine der größten Herausforderungen für den Wechsel auf regenerative Energien: 'Wind oder Sonne sind nicht immer dann vorhanden, wenn der von ihnen erzeugte Strom mittels Windräder oder Solardach gebraucht wird', sagt HSE-Ingenieur Bernhard Fenn. Die Lösung liege in guten Speichermöglichkeiten, um genau dann die Energie der Bevölkerung zu liefern, wenn diese benötigt wird. Um an bessere Erkenntnisse zu kommen, testet die HSE gerade Speichermöglichkeiten für regenerative Energien im Praxisbetrieb. Dafür hat sie Batteriespeicher mit Lithium-Ionen-Technologie in der Dieburger Römerhalle und im Hallenbad Münster platziert. Zusammen mit den Bürgermeistern Dr. Werner Thomas und Walter Blank weihte Forschungsleiter Bernhard Fenn die zwei Batterien, die von außen das rechteckige Format eines mannshohen Kühlschranks haben, diese Woche ein.

'Im Rahmen unseres 'Web2Energy'-Projekts wollen wir prüfen, inwieweit sich Lücken zwischen Stromangebot und Nachfrage überbrücken lassen', erklärt Fenn. Die beiden Speicher sind die ersten Exemplare in öffentlichen Gebäuden, insgesamt sollen sieben weitere im HSE-Gebiet folgen. In Dieburg ist der Speicher im Keller der Römerhalle untergebracht. Im hinteren Eingangsbereich erläutert eine Schautafel mit Leuchtdioden, was es mit der Speicherung des Stroms aus regenerativen Energien auf sich hat. In der Römerhalle wird bereits umweltfreundlich agiert: Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach erzeugt Strom.

Zum HSE-Projekt gehören auch die Tests mit intelligenten Stromzählern. Von den 200 Haushalten, die daran in der Region teilnehmen, stehen 35 in den Münsterer Neubaugebieten. 'Das Versorgungssystem der Zukunft muss intelligent sein, um den Strom der regenerativen Energien in Einklang mit dem Verbrauch zu bringen', weiß Fenn. Dabei helfen 'Smart Grids', wie die intelligenten Systeme genannt werden. Sie geben Infos zum aktuellen Stromverbrauch an die Kunden weiter und ermöglichen die Kommunikation zwischen Versorgungsnetz, Erzeugern, Speichern und Verbrauchern. In Münster sind das Blockheizkraftwerk, der Batteriespeicher und die 35 Haushalte miteinander verbunden und lassen sich von einer Leitstelle steuern. Täglich erhalten die Haushalte Informationen per SMS oder E-Mail, wann es am günstigsten ist, Wasch- oder Spülmaschine laufen zu lassen. Diese sind unter den Testbedingungen so programmiert, dass sie in der 'grünen Phase' anspringen, wenn sich beispielsweise die Windräder in Groß-Umstadt besonders schnell drehen.

Die beiden Batteriespeicher in Münster und Dieburg können nur eine geringe Menge an Haushalten mit ihrer gespeicherten Energie versorgen. 'Im Prinzip ist das hier noch Forschung', erklärt Fenn. Dennoch seien die Testspeicher eine wichtige Grundlage für die Ausarbeitung eines Geschäftsmodells und das Ziel, die regenerativen Energieversorgung flächendeckend zu verbreiten.

Bis dahin seien aber noch ein paar Meter zu gehen, da die gesetzlichen Rahmenbedingungen auf EU-Ebene fehlen. Die Technik dafür sei zwar bereits 'tiptop', aber immer noch zu teuer. Und das Bewusstsein der Verbraucher müsste die Energiewende erst noch mitmachen.