Die Zeit, 10.05.2012

 

Nehmen Windräder einander den Wind weg?

…fragt Erika Looft aus Barlt

Eine Windkraftanlage wandelt die Bewegungsenergie des Windes in elektrische Energie um. Der Wind gibt dabei seine Energie zu einem großen Teil ab, er wird also direkt hinter dem Windrad schwächer.

Totale Windstille herrscht dort nicht, es kann immer nur ein gewisser Prozentsatz der Energie "geerntet werden" - aber es ist nicht ratsam, direkt dahinter ein weiteres Windrad aufzustellen, das würde erheblich weniger Energie liefern. "Windparkeffekt" heißt das in der Branche.

Um den Effekt zu vermeiden, stellt man die Windräder erstens versetzt zueinander auf und hält zweitens einen Mindestabstand ein. Faustregel für Windräder in der Hauptwindrichtung ist ein Abstand von fünf Rotordurchmessern, erst ab fünfzehn Durchmessern ist der Wirkungsgrad optimal.

Lokal schwächen Windräder also durchaus den Wind ab, und sie können dadurch, dass sie die bodennahen Luftschichten kräftig "durchrühren", auch das Wetter lokal verändern, ähnlich wie es Hochhäuser in der Großstadt tun.

Müssen wir befürchten, dass bei weiterem Ausbau der Windenergie bald im ganzen Land Flaute herrscht und die Segler auf Hamburgs Alster oder Hannovers Maschsee sich ein neues Hobby suchen müssen? Keine Angst: Selbst wenn die Menschheit ihren gesamten Energiebedarf mit Windkraft deckte, würde das den Wind in den untersten Luftschichten lediglich um ein Zehntausendstel schwächen.