Allgemeine Zeitung, 10.05.2012

 

Trinkwasser ab 2013 billiger

TARIFE Nach Intervention von Kartellamt senken Stadtwerke Verbrauchspreis um etwa 15 Prozent / Grundpreis konstant

mainz. Die Stadtwerke Mainz, die mit ihrem Trinkwasserpreis im Vergleich mit anderen Versorgern aus der Region an der Spitze liegen, senken zum 1. Januar 2013 den Verbrauchspreis um rund 15 Prozent. Wie das städtische Unternehmen gestern mitteilte, sei das das Ergebnis der seit Ende 2011 laufenden Gesprächen mit dem Bundeskartellamt. Die Vereinbarung gilt bis 2019.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: "Mit dieser Entscheidung sind für die Wasserkunden der Stadtwerke Einsparungen in Höhe von circa 4,5 Millionen Euro pro Jahr zu erwarten, das heißt insgesamt über 31 Millionen Euro für die gesamte Dauer der Verpflichtung. Diese signifikante Absenkung der Wasserentgelte in Mainz zeigt, wie effizient und wirkungsvoll die kartellrechtliche Wasserpreiskontrolle ist."

Der Grundpreis, der abhängig ist von der Größe des Wasserzählers im Haushalt, bleibt unverändert. Die meisten Mainzer haben einen Qn2,5-Zähler, für den 119,84 Euro im Jahr anfallen. Der Verbrauchspreis, der seit 1999 nicht erhöht wurde, beträgt 2,13 Euro brutto für 1000 Liter. Welche Höhe dieser Mengenpreis ab 2013 genau haben wird, steht noch nicht fest. Denn die jetzt vereinbarte Preisabsenkung betrifft nur die von den Stadtwerken beeinflussbaren Preisbestandteile, also Entgelte ohne Abgaben und Steuern, die von der öffentlichen Hand per Gesetz oder Verordnung festgelegt werden. Das betont auch das Kartellamt: "Rheinland-Pfalz plant zum 1. Januar 2013 die Einführung eines Grundwasserentnahmeentgeltes von 0,06 Euro pro Kubikmeter. Ein Teil des Preissenkungseffekts könnte damit für die Wasserkunden in Mainz wieder entfallen."

Nach einer ersten Bewertung durch das Bundeskartellamt Ende 2011 erschienen der Behörde die Erlöse für die Trinkwasserversorgung in Mainz deutlich überhöht. Im Lauf der Gespräche habe sich aber laut Bundeskartellamt herausgestellt, dass ein Teil dieser erhöhten Kosten "auf strukturelle Besonderheiten im Mainzer Versorgungsgebiet" zurückzuführen sei. "Es ist ein Unterschied, ob ein Versorger auf dem Land eine Wasserleitung auf freiem Feld erneuert oder ob wir auf der Kaiserstraße, wo viele andere Versorgungsleitungen liegen, arbeiten müssen", nennt Stadtwerkesprecher Michael Theurer ein Beispiel.

Außerdem verursache der Transport aus den beiden weiter entfernt liegenden Wasserwerken Eich (bei Worms) und Hof Schönau (bei Rüsselsheim) höhere Kosten. Zum unmittelbaren Versorgungsgebiet der Stadtwerke zählen das Stadtgebiet (außer Laubenheim und Ebersheim) sowie Amöneburg, Kastel, Kostheim, Ginsheim-Gustavsburg und Bischofsheim.