Wetterauer Zeitung, 10.05.2012

 

»Masterplan für 100 Prozent Klimaschutz«

Bundesumweltministerium fördert die Mainmetropole auf dem Weg ins post-fossile Zeitalter mit 873 000 Euro

Bundesumweltminister Norbert Röttgen überreichte in Berlin den Förderbescheid an Werner Neumann, Leiter des Energiereferats im Umweltdezernat der Stadt. Das Energiereferat hatte im März 2010 eine Projektbeschreibung eingereicht und im November 2011 einen Förderantrag gestellt. Mit dem Projekt soll ein Konzept entwickelt werden, wie der Energieverbrauch um die Hälfte gesenkt werden kann. Die andere Hälfte soll vollständig mit Energie aus Sonne, Wind und Biomasse gedeckt werden. So kann eine Senkung der CO2-Emissionen um über 95 Prozent erreicht werden. Heute verursacht ein Einwohner Frankfurts durchschnittlich noch knapp zwölf Tonnen CO2 pro Jahr. Langfristig verträglich sind nur zwei bis drei Tonnen – das entspricht dem heutigen CO2-Fußabdruck der Ernährung.

Am 1. Juni soll ein auf etwa vier Jahre angelegter Prozess mit breiter Beteiligung der Öffentlichkeit und Fachwelt beginnen. Dabei sollen Studien erstellt werden, es soll regelmäßig ein Forum durchgeführt werden und es soll in einzelnen Stadtteilen mit der Umgestaltung in Richtung auf 100 Prozent Klimaschutz begonnen werden.

»Dezentrale Konzepte sind effektiver«



Frankfurt sei durch seine Politik und Erfahrungen mit Passivhäusern und energieeffizienten Bürohäusern, mit Kraft-Wärme-Kopplung, Solarenergie und seinem Stromsparprogramm schon gut vorbereitet, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Umgestaltung einer Stadt, die Koordination und vor allem die Motivation von Bürgern und Unternehmen auf ein gemeinsames Ziel – 100 Prozent erneuerbare Energie – sei eine große Herausforderung, wie Umweltdezernentin Dr. Manuela Rottmann betonte. »Wir haben ein klares Ziel, aber wie man es erreicht, wollen wir mit den Bürgern gemeinsam bestimmen«, sagte Rottmann. »Wir wollen Konzepte zum Nachmachen entwickeln, für Haushalte, für Häuser, für Wohnsiedlungen, Stadtteile. Wir wollen mit dem Regionalverband und dem Land Hessen zusammenarbeiten, denn die Hälfte der künftigen Energieversorgung wird vor allem durch Windenergie aus der Rhein-Main-Region und Hessen nach Frankfurt kommen.« »Wir wollen zeigen, dass dezentrale und regionale Konzepte effektiver, wirtschaftlicher und akzeptabler sind«, erklärte Neumann. »Gerade wurde in Frankfurt ein ›virtuelles Kraftwerk‹ zum Ausgleich von Wind- und Sonnenenergie eingerichtet. Wenn wir unsere Möglichkeiten vor Ort nutzen, brauchen wir auch weniger Großkraftwerke und weniger neue Hochspannungsleitungen«, ist sich der Energieexperte sicher.

Frankfurt wird sich mit 18 geförderten Kommunen und Kreisen austauschen und auch gemeinsame Initiativen starten, denn zahlreiche Gesetze und Rahmenbedingungen müssten noch geändert werden. Die Kommunen seien das Labor für Lösungen für eine breite Umsetzung von Klimaschutz, Energieeinsparung und erneuerbare Energien.