Handelsblatt, 10.05.2012

 

Eon bekommt Ruhrgas in den Griff

-- Zwei Drittel der unrentablen Gasverträge sind umgestellt.

-- Gazprom lehnt aber nach wie vor flexiblere Verträge ab.

-- Verkauf des Gasnetzes steht kurz vor dem Abschluss.

Der Energiekonzern Eon steckt in seiner schwersten Krise - und Vorstandschef Johannes Teyssen hat eine ganze Reihe von Problemen: eine schwache Nachfrage nach Strom und Gas, den Atomausstieg, unrentable Auslandstöchter und zu hohe Kosten. Bei seinem größten Problemfall, dem seit Jahren unrentablen Gasgroßhändler Eon Ruhrgas, kann Teyssen jetzt aber erste Erfolge vermelden. Die Tochter trug im ersten Quartal 2012 nach langer Durststrecke endlich wieder deutlich mehr zum Ergebnis bei.

Eon steigerte das Ergebnis vor Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) verglichen mit dem Auftaktquartal des Vorjahres um neun Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Damit ist der Abwärtstrend von 2011 gestoppt, als das Ebitda um 30 Prozent eingebrochen war.

Eon kann Preise nicht durchsetzen.

"Wir haben Ihnen im März - zur Bilanzpressekonferenz - gesagt: 'Die Talsohle ist durchschritten' - diesen Trend sehen wir im ersten Quartal bestätigt", sagte Finanzvorstand Marcus Schenck. Und das liege vor allem an den Fortschritten im Gasgeschäft.

Die ehemalige Ertragsperle Eon Ruhrgas kämpft seit rund drei Jahren mit großen Problemen. Das Unternehmen, das Gas im Ausland einkauft und an Stadtwerke verkauft, sitzt auf unrentablen Bezugsverträgen. Traditionell verlangten die Produzenten Gaspreise, die an den Ölpreis gekoppelt waren. Weil es seit der Wirtschaftskrise aber ein Überangebot gibt, kann Eon die Preise nicht mehr bei Stadtwerken durchdrücken.

Eon drängte die Lieferanten zu flexibleren Verträgen, die sich auch am Spotmarkt orientieren - und stieß bei einigen auf Verständnis. Anfang des Jahres einigte sich der Konzern mit dem zweitgrößten Lieferanten, Statoil aus Norwegen, und hat inzwischen zwei Drittel des Volumens nachverhandelt.

Das spürt Eon im Zwischenbericht. Schenck bezifferte den Ergebnisbeitrag durch die neuen Konditionen auf 340 Millionen Euro. Für Analyst Matthias Heck von Macquarie war das "der wichtigste positive Effekt" im ersten Quartal. Hinzu kamen zusätzliche Ergebnisse aus dem Russland-Geschäft. Negativ wirkten sich dagegen niedrigere Preise im Stromgroßhandel und der Atomausstieg aus.

Die Aktie legte aber nur kurz zu und drehte dann deutlich ins Minus. Teyssen hatte in seinem Brief an die Aktionäre betont, dass Eon zwar selbst operativ und beim Sparprogramm vorankommt, das Umfeld aber schwierig bleibt: "So liegt die Gasnachfrage in Europa auf dem Niveau von 2001, die Stromnachfrage in etwa auf dem Niveau von 2004."

Und, bei allen Fortschritten, ausgestanden sind die Probleme im Gasgroßhandel noch lange nicht. Mit dem größten Lieferanten, der russischen Gazprom, ist bislang keine Einigung in Sicht. Die Parteien streiten sich noch immer vor einem Schiedsgericht.

Dem Essener Traditionsunternehmen Ruhrgas selbst bringen die jüngsten Erfolge ohnehin nichts mehr. Es wird faktisch abgewickelt. Der Gasgroßhandel ist schon im Zwischenbericht mit der Düsseldorfer Schwester Eon Energy Trading fusioniert.

Das 12 000 Kilometer lange Gasnetz, einst stolzer Teil von Ruhrgas, wird schon bald einen neuen Eigentümer haben. Eon hat das Unternehmen Open Grid Europe vor Monaten zum Verkauf gestellt. Bis gestern mussten die Interessenten ihre finalen Gebote einreichen, die Entscheidung könnte bereits nächste Woche fallen. Im Rennen lagen zuletzt vier Konsortien um den französischen Versorger GDF Suez, die Netzbetreiber Gasunie aus den Niederlanden, Fluxys aus Belgien sowie den Finanzinvestor Macquarie. Der Kaufpreis wird auf zwei bis drei Milliarden Euro geschätzt.