Westdeutsche Allgemeine WAZ, 27.07.2017

 

Für Haus Herbede reifen Hotelpläne

Betriebsgesellschaft könnte sich Anbau mit 60 Betten vorstellen. Auch Freizeitzentrum Kemnade sieht keine Konkurrenz zu einem möglichen Seehotel an der Stadtgrenze. Beide sprächen andere Zielgruppen an

Von Autor: Michael Vaupel

Die Hotelpläne am Kemnader See schlagen deutlich höhere Wellen als er selbst. „Es soll zwar auf Bochumer Gebiet direkt an unserer Stadtgrenze entstehen. Aber Witten profitiert nicht davon, sondern trägt die Lasten. Etwa durch weitere Parkplätze, die auf Wittener Gelände entstehen würden“, ärgert sich SPD-Ratsmitglied Klaus Pranskuweit. Schon CDU- und Grünen-Politiker hatten in dieser Zeitung ihre Zweifel an den dortigen Hotelplänen geäußert.

Pranskuweit ist neben Claudia Gah (CDU) und Thilo Gebert (SPD) Beiratsmitglied der Haus Herbede Betriebs-GmbH. Er bringt als Alternative einen Hotelbau am dortigen historischen Gebäude ins Spiel. „Seit zwei Jahren sprechen wir schon darüber. Plötzlich kommt uns nun die Sache mit dem Seehotel auf den Tisch. Zwar ist vom Ruhrverband schon früher von einem solchen Hotel gesprochen worden, aber nicht an der Stadtgrenze zu Witten“, sagt der SPD-Politiker.

Die Betriebsgesellschaft kann sich ein Haus mit etwa 60 Betten neben dem denkmalgeschützten Gemäuer an der Von-Elverfeldt-Allee vorstellen. „In Aussehen und Anzahl der Stockwerke muss es sich natürlich anpassen“, betont Geschäftsführer Wilfried Perner, früherer Chef der Freizeitgesellschaft Kemnade. Schon zu seiner Dienstzeit dort sei ein Entwicklungskonzept Kemnader See mit fünf möglichen Hotel-Standorten aufgestellt worden.

Auch Wittens Stadtbaurat Stefan Rommelfanger würde ein Hotel an Haus Herbede begrüßen. „Kein Kongresshotel mit 100 Betten wie das Bochumer, sondern etwas Bescheidenes, das sich dem Denkmalschutz anpasst“, sagt der Beigeordnete. Es könne Herbedes Attraktivität steigern. Derzeit feilten Betriebsgesellschaft, FZK und Stadtverwaltung am Exposé zur Neuaufstellung von Haus Herbede, was Gastronomie und ein mögliches Hotel angeht.

Das Freizeitzentrum Kemnade zeige „spürbaren Unmut“ über ein Hotel auf Wittener Gebiet, meint SPD-Ratsherr Pranskuweit. Dem widerspricht Geschäftsführerin Franziska Weiße: „Das FZK stellt sich nicht dagegen. Es wäre eine gute Ergänzung zum Bochumer Seehotel, weil beide andere Zielgruppen ansprechen. Haus Herbede eher Gesellschaften, das Seehotel Wassersportler oder Radfahrer.“ Das FZK habe im September 2016 bei einem Wülfrather Planungsbüro eine Machbarkeitsstudie für den Hotelstandort auf dem Behelfsparkplatz in Auftrag gegeben. Weiße: „Die haben bestätigt, dass dies ein guter Standort wäre.“
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Bild 1:
Ein Schmuckstück: Haus Herbede liegt zwischen der Ortseinfahrt nach Herbede und dem Kemnader See.
Foto: Hans Blossey