Westdeutsche Allgemeine WAZ, 27.07.2017

 

Die Nachfrage steigt Die Bahn verbessert sich – etwas

Fahrgäste sind ein wenig zufriedener, S-Bahnen und Züge fahren pünktlicher.Fehlende Lokführer und zahlreiche Bauarbeiten belasten den Verkehr

Von Autor: Matthias Korfmann

Düsseldorf.

Immer mehr Menschen in NRW fahren mit S- oder Regionalbahnen zur Arbeit oder in die Freizeit. 2,7 Millionen „Ein- und Aussteiger“ zählen die Bahnbetreiber im Schnitt – jeden Tag! Mitten im Ruhrgebiet sowie zwischen Düsseldorf und Köln ist die Zahl der Fahrgäste so hoch, dass die Züge und Bahnhöfe morgens und nachmittags sozusagen aus allen Nähten platzen. Der neueste Bericht zum Schienennahverkehr erlaubt einen Blick auf ein Verkehrsmittel, das zuletzt ein bisschen besser wurde, aber noch lange nicht gut ist.

Die Nachfrage steigt
300 000 Fahrgäste mehr am Tag als im Jahr 2012 wurden zuletzt gezählt. Die Strecke zwischen Köln und Hamm, auf der künftig der Rhein-Ruhr-Express (RRX) fahren soll, ist besonders nachgefragt. Mit Abstand größter Anbieter ist nach wie vor die Deutsche Bahn (DB Regio) mit 63 Prozent Verkehrsanteil vor der Eurobahn (11 Prozent) und der Nordwestbahn (6,6 Prozent). Aber die Anteile verändern sich zu Lasten von DB Regio: Im Jahr 2012 kam die klassische Bahn noch auf 71,3 Prozent. Ein neuer Wettbewerber, das Unternehmen „National Express“, wildert in den Revieren der Bahn.

Kunden sind zufriedener
Die Zufriedenheit der Bahnkunden im Nahverkehr wächst. Es ist aber ein äußerst bescheidenes Maß an Zufriedenheit. Auf einer Skala von 1 (vollkommen zufrieden) bis 5 (unzufrieden) liegt der Durchschnitt bei 3,06. „Das ist sozusagen kurz vorm Sitzenbleiben“, spöttelt Lothar Ebbers vom Fahrgastverband Pro Bahn NRW. Fahrgäste des RE 4 (Dortmund – Aachen) und des RE 5 (Koblenz – Wesel) sind besonders unzufrieden. Das Fahrpersonal schneidet im Urteil der Bahnkunden recht gut ab, ebenso die Sicherheit in den Zügen, jedenfalls tagsüber. Unpünktlichkeit, verdreckte Stationen und Unsicherheitsgefühle abends in den Bahnhöfen sind die häufigsten Gründe für Unzufriedenheit.

Züge sind pünktlicher
Die Nahverkehrszüge sind im vergangenen Jahr deutlich pünktlicher gefahren als im Jahr 2015. Am Einsatz neuer Loks und speziellen Schulungen für das Zugpersonal soll es liegen. Trotz allem sind nach wie vor Regionalzüge wie der RE 1, die durch das Ruhrgebiet fahren, überdurchschnittlich unpünktlich. Experten begründen dies mit dem „Einfluss von Zügen des Fernverkehrs der Deutschen Bahn“. Das heißt: Immer wieder müssen Regionalzüge trotz eigener Verspätung warten, weil sie zum Beispiel ein Intercity überholen darf.

Die Züge der Deutschen Bahn (DB Regio) sind tendenziell unpünktlicher als die von Abellio und Eurobahn. Deutlich schlechter noch schneidet National Express ab mit 77 Prozent Pünktlichkeit (NRW-Schnitt: 84 Prozent). Die S-Bahn-Linien sind mit einer Pünktlichkeitsquote von 91,6 Prozent die zuverlässigsten Züge im NRW-Nahverkehr. Zwei S-Bahnen schneiden allerdings nicht ganz so gut ab: Die S 1 (Dortmund – Solingen) sowie die S 68 (Wuppertal – Düsseldorf).

Lokführer gesucht
Wegen erkrankter Lokführer musste die Eurobahn Ende 2016 mehrere Verbindungen in Westfalen ausdünnen, sehr zum Ärger der Fahrgäste. Hinter solchen „ungeplanten Zugausfällen“ steckt ein genereller Lokführermangel. Besonders Privatbahnen haben nicht genügend Personal und versuchen nun mit Kampagnen, Menschen für diesen Beruf zu gewinnen.

„Lange wurden zu wenige Lokführer ausgebildet“, erklärt Lothar Ebbers von Pro Bahn. „Außerdem macht der Güterverkehr hier dem Personennahverkehr Konkurrenz. Viele ausgebildete Lokführer fahren lieber Güterzüge, weil das für sie wegen verschiedener Lohnzuschläge lukrativer ist.“ Inzwischen sind auf dem Ausbildungsmarkt nicht mehr viele geeignete Bewerber für den Lokführerberuf zu finden, heißt es.

Zahllose Baustellen
Im Qualitätsbericht für den Schienenverkehr steckt eine üble Prognose: „Die Bautätigkeit wird innerhalb des Streckennetzes bis 2019 stetig zunehmen.“ Betroffen sind vor allem die Hauptstrecken, zum Beispiel die Verbindung Düsseldorf – Duisburg – Essen. Das hat etwas mit den Arbeiten für den Rhein-Ruhr-Express (RRX) zu tun, aber nicht nur. Die vorläufigen Pläne des Unternehmens DB Netze sehen 37 zum Teil mehrmonatige Baustellen vor, die im Jahr 2018 den Nahverkehr treffen.