Westdeutsche Allgemeine WAZ, 27.07.2017

 

Ansichtssache: Fotografieren im Freibad

VonAutor: Mareike Kluck

Das erste Planschen des Nachwuchses im Schwimmbecken, der mutige Sprung vom 10-Meter-Turm. Das sind Momente, die Eltern gerne festhalten möchten. Doch im digitalen Zeitalter ist die Möglichkeit alles (und jeden) sofort in den sozialen Netzwerken zu posten, zu einem Problem geworden. Immer mehr Freibäder setzen daher auf ein Foto- bzw. Smartphoneverbot, um ihre Badegäste davor zu schützen, ungewollt abgelichtet zu werden.

So auch der Revierpark Nienhausen. „In unserer Haus- und Badeverordnung ist die Nutzung von Handys generell verboten“, sagt Badleiter Oliver Gergens. „Das betrifft den Saunabereich, aber auch der Freibadbereich ist natürlich mit eingeschlossen.“ Die Überprüfung sei jedoch nicht immer einfach. Die Schwimmmeister und Mitarbeiter der Beckenaufsicht seien in erster Linie dafür zuständig, auf die Sicherheit der Badegäste zu achten, so Gergens. Zwischendurch würde aber auch darauf geachtet, dass das Handy-Verbot auch eingehalten wird.

Die Betreiber des Sportparadies und des Jahnbads haben sich hingegen noch nicht zu solch einem Verbot durchringen können. „Natürlich gibt es immer mal wieder Probleme“, sagt Sabine Haas, Sprecherin der Stadtwerke als Betreiber der Bäder. „Unsere Mitarbeiter sind dahingehend auch sensibilisiert und gehen Beschwerden sofort nach.“ Wenn sich Badegäste durch das Fotografieren anderer belästigt fühlen würden, würden Mitarbeiter des Freibads sofort den Kontakt suchen und auch darauf bestehen, dass gegebenenfalls Fotos gelöscht würden. Ein generelles Verbot von Handys und Kameras kann sich Sabine Haas auch aus organisatorischen Gründen nicht vorstellen. Auch das Verteilen von Stickern, die auf die Kameralinse der Handys geklebt werden, hält sie für nicht besonders effektiv. „Ich habe davon gehört, dass Kollegen in Hessen oder Süddeutschland diese Idee unterstützen“, so Haas. „Aber ich denke, dass diese Aufkleber schnell wieder abgeknibbelt und genauso schnell wieder drauf geklebt werden können.“ So bleibt ihrer Meinung nach nur, an die Vernunft und an die Rücksicht der Gäste zu appellieren.

Sexuelle Belästigungen
Die Fotos seien auch nur eines der Probleme, mit denen sich die Aufsichtskräfte im Freibad herumschlagen müssten. „Auch sexuelle Belästigungen kommen immer mal wieder vor“, bedauert die Stadtwerke-Sprecherin. „Dann wird, je nach Lage, entweder sofort die Polizei informiert oder ein Platzverweis durch das Personal ausgesprochen.“ Dennoch dürfe man nicht vergessen, dass der Großteil der Gäste „zu uns kommt, um einen schönen Tag mit der Familie oder Freunden zu erleben. Diese Erlebnisse möchte doch jeder gerne festhalten.“

Zitat: Unsere Mitarbeiter sind sensibilisiert und gehen Beschwerden sofort nach. Sabine Haas, Sprecherin der Stadtwerke

Bild 1:
Smartphones im Schwimmbad können zum Problem werden: Badegäste können sich durch unkontrolliertes Fotografieren belästigt fühlen. Einige Bäder haben deswegen bereits ein Handyverbot eingeführt.
Foto/Montage: Gerd Wallhorn