Spiegel Online, 01.08.2018

 

Leichtathletik

Schweizer Sprinter nach rassistischen Facebook-Posts von EM ausgeschlossen

Sprinter Pascal Mancini ist nach einem Rassismusskandal aus dem Schweizer Aufgebot für die Leichtathletik-EM in Berlin (6. bis 12. August) gestrichen worden. Der 29-Jährige hatte auf seinem Facebook-Profil Beiträge mit rechtsextremem Gedankengut verbreitet. Sein Verband entzog Mancini daraufhin "mit sofortiger Wirkung" die Lizenz, weil er gegen eine "unterzeichnete Vereinbarung wie auch gegen den Verhaltenscodex des Verbandes" verstoßen habe. Die Gesinnung des 100-Meter-Spezialisten war dem Verband schon vorher bekannt. Gegen ihn wurde ein Disziplinarverfahren eröffnet.
Eine öffentliche Diskussion über die Gesinnung des Sprinters hatte in der Schweiz begonnen, nachdem der "Sonntags-Blick" in einer Geschichte von einem Affenvideo berichtet
hatte, das Mancini im Anschluss an den WM-Erfolg der französischen Nationalmannschaft gepostet hatte, in der mehrere schwarze Profis spielten.
"Sie werden nie das brennende Feuer der Wahrheit auslöschen"
Auf diesen Rassismusvorwurf reagierte der Athlet, indem er aus einem Blogeintrag eines Schweizer Autors zitierte: "Im Allgemeinen dient der Vorwurf des Rassismus dazu, eine in unserer Zeit herrschende Besorgnis zu zensieren: die, sich zu Hause zu fremd zu machen."
Der "Neuen Zürcher Zeitung", die von zusätzlichen Neonazi-Zitaten auf seinem Facebook-Profil berichtete
, sagte Mancini, er vermute hinter den Vorwürfen eine Verschwörung: "Bei jeder großen Veranstaltung gibt es Leute, die Druck auf den Verband machen, seit Jahren schon. Diesmal sind sie über die Medien gegangen. Leute, denen ich nicht gefalle."
Auch nach seinem EM-Aus bleibt Mancini trotzig. "Sie werden nie das brennende Feuer der Wahrheit auslöschen, das in mir brennt", schrieb er in den sozialen Medien. Er rief nun zu finanzieller Unterstützung auf, um zu zeigen, dass "ein großer Teil des Volks nicht mit den Machenschaften der Medien einverstanden" sei.
chh/sid