Pforzheimer Kurier, 23.07.2013

 

Politische Lösung für den Nahen Osten gefordert

Mit Gregorios III. Laham ist erstmals ein Patriarch von Antiochien in Pforzheim / Hilfe für Krankenhaus gesucht

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass ein historisches Ereignis eine Begegnung in größerer Runde nach sich ziehen wird. Jedenfalls entsprach Pfarrerin Heike Reisner gestern umgehend dem Wunsch Seiner Seligkeit Patriarch Gregorios III. Laham, in der Schlosskirche einmal eine Liturgie zu feiern.

Gestern, beim ersten Auftritt überhaupt eines „Patriarchen von Antiochien und dem Ganzen Orient von Alexandrien und von Jerusalem“ wurden überdies auch Grundlagen ganz anderer Art geschaffen. Das Oberhaupt der mit der römisch-katholischen Kirche unierten melkitischen griechisch-katholischen Kirche war „in humanitärer Mission zu Gast“.

Konkret sucht der höchste katholische Würdenträger im Nahen und Mittleren Osten Unterstützung für das neue Krankenhaus Al-Sacher in seiner Heimat Syrien. Der 79-Jährige fragte deshalb auch im Siloah St. Trudpert Klinikum an und stieß auf offenen Ohren. „Details sind noch nicht geregelt“, ist bei Direktor Dietmar Köhrer zu erfahren. Das Projekt sei aber sicher unterstützenswert.

Angebahnt wurde das alles vom Lazarusorden, dessen Prior Folker Theis den Patriarchen auch am Samstag zu einem „Abend unter Freunden“ in seiner Heimat Königsbach-Stein empfing. Gregorios III. besuchte damit einen bedeutenden Teil der deutschen Jurisdiktion des rund 900 Jahre alten Ordens, dessen Geistlicher Protektor er ist. In Deutschland hat er zwischen 60 und 70 Mitglieder und Freunde, so Kanzler Lothar Kestler, der den Patriarchen von einem Erholungsaufenthalt in Traunstein ins Badische brachte, wo auch die katholische Wallfahrtskirche in Moosbronn auf dem Programm stand.

Dass in Pforzheim mit dem „bedeutendsten Baudenkmal der Stadt“, so Christiane Klittich bei ihrer Führung, eine evangelische Kirche folgte, ist für den Kleriker kein Problem. Sein Kampf gilt dem Zusammenleben von Juden, Muslimen und Christen wie es in Jerusalem, Palästina, Ägypten, Jordanien und Syrien seit Jahrhunderten tradiert ist.

„Retten Sie dieses Zusammenleben“, rief er gestern der kleinen Gruppe aus kirchlichen und kommunalen Würdenträgern zu, bevor er sich in das Goldene Buch der Stadt eintrug und Oberbürgermeister Gert Hager – nicht ohne Hinweis auf seine Mission – eine goldene Gedenkmedaille überreichte. Das war auch ein Plädoyer um Unterstützung für die vielen Christen, die in seinem großen Patriarchat infolge der Konflikte insbesondere in Syrien auf der Flucht sind und für „eine politische Lösung“.

„Was uns vereint in Ost und West, ist viel mehr wert, als was und trennt“, hatte bereits vordem Pfarrerin Reisner zu Toleranz und Respekt aufgerufen. Auch OB Hager begrüßte den „Freund aus dem Orient“ mit dem Gedanken, es gelte Brücken zu schlagen zwischen den Menschen und für eine gute, vielleicht bessere Welt. Da Religion für einen Menschen nichts sei ohne intensiven Glauben und Überzeugung, sei es wichtig, Glaube lebendig werden zu lassen. Die Stadt fühle sich durch den Besuch „aufs Allerhöchste geehrt“ und wird wohl auch wieder die altehrwürdige Schlosskirche öffnen, wenn Seine Seligkeit noch einmal kommen sollte.