Mannheimer Morgen, 26.07.2013

 

Handbuch der Grundlagen

Die Kita „Kunterbunt“ in der Kreuzgemeinde ist eine von 20 Kinderbetreuungs-einrichtungen der Evangelischen Kirche in der Stadt. Bild: zg

Von unserem Redaktionsmitglied

Michaela Roßner

Zwei Jahre lang wurden die Inhalte diskutiert, durchliefen sämtliche Gremien der evangelischen Kirchenarbeit in Heidelberg – und manche sogar mehrfach. Nun ist das 76-seitige Büchlein fertig gedruckt: ein Handbuch mit Qualitätsstandards für die Arbeit in den Evangelischen Kindertageseinrichtungen. Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug stellte das Werk jetzt im Schmitthennerhaus vor.

„Andere mögen diese Standards auch haben, wir sind stolz darauf, sie jetzt aufgeschrieben zu haben“, begründete Schwöbel-Hug. Die Evangelische Kirche ist Träger von 20 Kindertagesstätten. Rund 150 pädagogische Fachkräfte betreuen insgesamt 922 Kinder. In acht Kindertagesstätten gibt es zusammen neun Gruppen à zehn Kinder unter drei Jahren. Zwei weitere sollen dazukommen.

Von Raum bis Körperpflege

In 23 Teilbereichen werden Aspekte der Bildung und Erziehung angesprochen, aber auch auf Raum und Materialverwendung, Gesundheit und Körperpflege geht das Buch ein, das in allen Einrichtungen nachgefragt werden kann. Zwei Jahre lang soll es nun in der Praxis getestet werden, danach soll es bindende Arbeitsgrundlage sein. „Es wird aber nicht zu einer Gleichmacherei führen“, betont Schwöbel. Vielmehr solle jede Kita ihrer jeweiligen Kirchengemeinde eng verbunden bleiben und ein eigenes Profil pflegen.

Finanziert wird die Qualitäts-Offensive mit einer „Kirchengeld“-Aktion: „Dabei kamen 67 000 Euro zusammen“, erzählt Schwöbel-Hug stolz. „Das können wir nun in die Kitas investieren“. „Unsere Arbeit ist ganz stark geprägt von unserem biblischen Menschenbild“, beschreibt die Dekanin das aus ihrer Sicht Besondere: „Jeder Mensch ist in seiner Einzigartigkeit willkommen, mit seinen Stärken und Schwächen.“ Gebete und das Nachspielen von biblischen Geschichten gehörten in den Kitas schlicht dazu. „Eltern sollen wissen, worauf sie sich einlassen. Mogelpackungen mag ich nicht“, betont Schwöbel. Das bedeute aber nicht, dass nur evangelische Kinder aufgenommen würden – im Gegenteil: „Wir haben muslimische Eltern, die ganz bewusst uns ihre Kinder anvertrauen, weil ihnen hier bestimmte Werte vermittelt werden.“ miro