Handelsblatt, 04.10.2006

 

Fusionsdruck erfasst Landesbanken

Die Sparkassen begrüßen Pläne für gemeinsame Holding im Süden, Politiker zeigen sich reserviert.

PETER KÖHLER | FRANKFURT In der öffentlich-rechtlichen Finanzgruppe wächst das Bedürfnis nach einer stärkeren Bündelung der Kräfte. Im Fokus der Überlegungen stehen dabei die Landesbanken und die öffentlichen Versicherer. So hat der bayerische Sparkassenpräsident Siegfried Naser die Idee einer "Süd-Landesbank" ins Spiel gebracht, für die jetzt auch der hessisch-thüringische Amtskollege Gregor Böhmer einige Sympathien zeigte.
Aus einem Zusammenschluss mehrerer Landesbanken unter einem Dach könne der von der Politik geforderte "Key Player" in der deutschen Kreditwirtschaft entstehen, sagte Böhmer in einem Pressegespräch in Weimar. Die Überlegungen für eine "SüdLB" müssten aber mit erheblichem Widerstand rechnen, frühere Projekte hätten "sehr viel Sperrfeuer seitens der Politik" bekommen. Prompt teilte auch das bayerische Finanzministerium auf Anfrage mit, ein Zusammenschluss von Landesbanken unter Einschluss der BayernLB stehe "überhaupt nicht auf der Tagesordnung." Das hessische Wirtschaftsministerium lehnte eine Stellungnahme ab.
Die Landesbanken sind das Sorgenkind der S-Finanzgruppe, zu der neben Sparkassen und Landesbanken auch die Landes-Bausparkassen, de Fondsdienstleister Dekabank sowie die Deutsche Leasing gehören. Nach dem Wegfall der staatlichen Ausfallgarantien im vergangenen Jahr haben die Landesbanken keine Top-Ratings mehr, um sich günstig an den Kapitalmärkten Geld zu beschaffen. Deshalb suchen sie nach neuen Geschäftsmodellen, jedoch gibt es im Sparkassenlager erhebliche Zweifel, dass es genügend Kunden für alle elf Landesbanken gibt.
Nach den Vorstellungen von Naser sollte eine unternehmerische Einheit aus den Landesbanken in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen/Thüringen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland gebildet werden, allerdings unter "Wahrung der regionalen Identität". Sparkassen und Bundesländer sind die wichtigsten Eigentümer der Landesbanken, in Hessen-Thüringen beispielsweise gehört die Landesbank zu 85 Prozent dem regionalen Sparkassenverband.
Die Umsetzung derart weit reichender Pläne bedarf aber auch immer der Zustimmung der jeweiligen Ministerpräsidenten. Hier gab es in der Vergangenheit regelmäßig Bedenken, wobei die Frage des Hauptsitzes und der Erhalt der Arbeitsplätze die Knackpunkte waren.
Fraglich ist auch, ob die Ratingagenturen eine "Mega-Landesbank" gutheißen. Bisher tendierten sie eher dazu, Verflechtungen von Sparkassen und Landesbanken zu Verbünden auf regionaler Ebene zu honorieren, heißt es im Sparkassenlager.
Böhmer kündigte an, die regionalen Sparkassenpräsidenten würden sich in den nächsten Wochen zusammensetzen, um die Idee weiter zu diskutieren. Der saarländische Sparkassenpräsident Karl-Heinz Trautmann sagte, die Überlegungen seien "interessant". Nach einer möglichen "SüdLB" könne sich dann vielleicht auch eine "NordwestLB" herausbilden, wobei Branchenbeobachter dort die WestLB als Zugpferd sehen.
Deutlich konkreter sind die Pläne für die öffentlichen Versicherer. Hier geht es nach Aussagen von Sparkassenfunktionären in nächster Zeit darum, den Marktauftritt der Anbieter Provinzial, SV Sparkassenversicherung und Bayerische Versicherungskammer "zu vereinheitlichen und die Kosten zu senken." Vorbild könnten dabei die elf Landesbausparkassen sein, die bereits unter einem einheitlichen Logo auftreten. Die öffentlichen Versicherer "müssten mehr aus ihrer Marktposition" herausholen, mahnt Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV).