Stuttgarter Nachrichten, 16.03.2018

 

Kreissparkasse von Welle des Aufschwungs getragen

Die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen bietet der Niedrigzinsphase die Stirn. Das Geldinstitut hat im vergangenen Jahr die Bilanzsumme und das Geschäftsvolumen gesteigert.
Esslinge - Die Kreissparkasse (KSK) Esslingen-Nürtingen hat sich unter schwierigen Rahmenbedingungen im Geschäftsjahr 2017 gut behauptet. Diese Fazit hat der Vorstandsvorsitzende des Geldinstituts, Burkhard Wittmacher, im Rahmen der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in Esslingen gezogen. Die Nummer Drei unter den baden-württembergischen Sparkassen hat im vergangenen Jahr eine Bilanzsumme von 8,6 Milliarden Euro verzeichnet. Das ist, der anhaltenden Niedrigzinsphase zum Trotz, eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent. Das Geschäftsvolumen ist im gleichen Zeitraum um 3,6 Prozent auf rund neun Milliarden Euro gestiegen.
Das Betriebsergebnis liegt Wittmachers Worten zufolge mit 79,3 Millionen Euro auf dem Vorjahresniveau. Insgesamt erwirtschaftete die Kreissparkasse im Jahr 2017 einen Jahresüberschuss in Höhe von 13 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 11,7 Prozent. Dem Eigenkapital konnten 68 Millionen Euro zugeführt werden - laut Wittmacher ein beruhigendes Polster angesichts der steigenden regulatorischen Anforderungen, bei denen die vergleichsweise kleine Kreissparkasse von den Währungshütern der Europäischen Zentralbank (EZB) mit der gleichen Elle gemessen wird wie die marktrelevanten europäischen Großbanken.

Mehr Geld für die öffentlichen Haushalte

„Von unserem Erfolg profitieren auch die öffentlichen Haushalte“, sagt Wittmacher unter Hinweis auf die im vergangenen Geschäftsjahr gezahlten Steuern. So hat die auf 1473 Mitarbeiter (2016: 1516) leicht geschrumpfte Sparkasse dem Fiskus rund 30,4 Millionen Euro an Einkommenssteuer und den Standortgemeinden ihrer unverändert 107 Filialen rund 14,5 Millionen Euro an Gewerbesteuer überwiesen.
In der durchweg mit einem Plus versehenen Kennzahlen-Bilanz fällt lediglich das Minus bei den Einlagen der Unternehmenskunden aus der Reihe. Dass vor allem die großen Anleger ihr zur Seite gelegtes Geld abgezogen haben, wertet der KSK-Chef als Reaktion auf die Ankündigung, Strafzinsen zu erheben. Für den Rückgang um 81 Millionen Euro, das entspricht einem Minus von 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, sind laut Wittmacher eine Handvoll Großkunden verantwortlich, die jeweils mehr als fünf Millionen Euro abgezogen hätten. Das um 161 Millionen Euro gewachsene Einlagengeschäft bei den Privatkunden hat den Einbruch jedoch mehr als wettgemacht. Unterm Strich hatten die Menschen im Kreis Esslingen der Kreissparkasse zum 31. Dezember 2017 rund 6,8 Milliarden Euro anvertraut.

Für die Zukunft gut gerüstet

„Mit unserem Kernkapital in Höhe von 832 Millionen Euro sind wir für weitere Herausforderungen gut aufgestellt“, blickt Bernd Haußels, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende, nach vorn. Zumal auch der finanzwirtschaftliche Wetterbericht keine dunklen Wolken am Himmel verheißt. „Die Gewinnampel steht auf Grün“, fasst Haußels die Stimmungslage der regionalen Wirtschaft zusammen. Sein für das Unternehmenskundengeschäft zuständiger Vorstandskollege Kai Scholze sieht auch die Kreissparkasse von der Welle des Aufschwungs getragen. So konnte das Geldinstitut im vergangenen Jahr das Kreditvolumen an Unternehmen im Vergleich zu 2016 um knapp acht Prozent auf 3,5 Milliarden Euro erhöhen.
Die Sparkasse selbst steuert im Jahr 2018 in ruhigerem Fahrwasser. Im Juli soll mit der Einweihung der neuen Hauptstelle in der Esslinger Bahnhofstraße der Schlusspunkt hinter die 70 Millionen Euro teure Neuorganisation am Standort Esslingen gesetzt werden.

Zinstief ist gut für Häuslesbauer und Wertpapier-Anleger

Für die Häuslesbauer ist die Tiefzinsphase eine Steilvorlage auf dem Weg ins eigene Heim. „Wir haben 65 Prozent mehr Bausparverträge abgeschlossen als im Vorjahr“, sagt Frank Dierolf, als Vorstandsmitglied für das Privatkundengeschäft verantwortlich. Ein Drittel der Verträge sei dabei für jüngere Kunden abgeschlossen worden, die sich so die niedrigen Zinsen für die spätere Finanzierung gesichert hätten. Auch die 17-prozentige Steigerungsrate im Wertpapiergeschäft führt Dierolf auf die aktuell negative Realverzinsung zurück.
Rund 1,4 Millionen Euro hat die Kreissparkasse im vergangenen Jahr im Rahmen ihres gesellschaftlichen Engagements in Form von Spenden und Projektförderungen investiert. Die beiden von der Kreissparkasse getragenen Stiftungen fördern laut Wittmacher ehrenamtliches Engagement in Sport, Kultur und Bildung. Auf dem regionalen Spendenportal www.gut-fuer-den-landkreis.de können lokale Hilfsprojekte ihren Unterstützungsbedarf benennen. Auf der Seite sind inzwischen 234 Projekte registriert, die sich über 663300 Euro an Spenden freuen durften