www.creditreform-magazin.de, 16.03.2018

 

Auslandsgeschäft sorgt für Aufwind bei der Deutsche Leasing

Vier der gut 2500 Mitarbeiter der Deutschen Leasing haben seit wenigen Wochen eine besondere Mission: Unweit des Frankfurter Hauptbahnhofs sitzen sie in einem Coworking-Space, um als `Digital Innovation Unit´ (DIU) Ideen für den Megatrend Digitalisierung zu entwickeln. `Das Thema wird in unserer gesamten Organisation sehr offen aufgegriffen. Es wird nicht als Fremdkörper empfunden, sondern als große Bereicherung´, sagt Kai Ostermann, Vorstandschef der führenden Leasinggesellschaft Europas.
Bewusst wurde der Thinktank nahe der Bad Homburger Zentrale angesiedelt. `Wir glauben nicht daran, ein paar Exoten ganz weit weg zu setzen - und dann kommen die mit Geistesblitzen und revolutionieren alles.´ Eine gewisse Distanz sei nötig, aber auch ein enger Austausch, um später die Ideen im schnellen Takt ins Unternehmen zu integrieren. `Auch das ist Agilität.´
Die kleine DIU steht sinnbildlich für die Strategie der Deutschen Leasing: die Potenziale und Zukunftsthemen erkennen, aber mit Augenmaß anpacken. Mit einem konservativem Risikoansatz ist Ostermann im abgelaufenen Geschäftsjahr (Stichtag 30.9.2017) bestens gefahren: Die Deutsche Leasing steigerte ihr Neugeschäft um gut zwei Prozent auf 8,9 Milliarden Euro und verbesserte das wirtschaftliche Ergebnis um gut drei Prozent auf 153 Millionen Euro.
Beides sind Bestwerte, doch greift Ostermann ungern zum Superlativ. `Fairerweise muss man sagen: Wir hatten Rückenwind aufgrund der guten Konjunktur in den für uns wichtigen Branchen und in nahezu allen Märkten.´ Mehr als die Hälfte des Volumens entstand im Segment Maschinen und betriebliche Einrichtungen - hier legte man um drei Prozent zu.
Trotz anhaltender Niedrigzinsen und eines verstärkten Wettbewerbsdrucks konnte das Unternehmen auch das bilanzielle Eigenkapital von 765 auf 799 Millionen Euro steigern. `Seit 2011/12 haben wir unser Eigenkapital mehr als verdoppelt´, sagte Ostermann gestern bei der Bilanzpressekonferenz. Die Ausschüttung an die Gesellschafter betrug wie in den beiden Vorjahren 35 Millionen Euro. Mittelfristig könne man über eine Ausweitung nachdenken.
Zur positiven Entwicklung trugen vor allem die Deutsche Anlagen-Leasing (DAL) mit einem Plus im Neugeschäft von 14 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro und das um zwölf Prozent gewachsene Auslandsgeschäft bei. Die 22 Auslandsgesellschaften machten mit 2,2 Milliarden Euro Neugeschäft rund ein Viertel des Gesamtvolumens aus. Wichtigster internationaler Markt ist Großbritannien, gefolgt von Italien, Rumänien, China und Nordamerika. `Wir sehen gar keine Beeinträchtigung durch den Brexit´, sagte Ostermann. Grund sei, dass die Kunden der Deutschen Leasing auf der Insel wenig exportorientiert arbeiten.
Mit Blick auf die USA und den drohenden Handelskrieg gab sich Ostermann gelassen - und kündigte überdies einen Ausbau des Geschäfts in Nordamerika an: `In den USA sind wir noch relativ klein und sehen dort weiteres Wachstumspotenzial´, sagte er. Man agiere langfristig und werde im Zweifel `überwintern´, wie man es auch im Fall der Wirtschaftssanktionen in Russland getan habe. Dort wuchs das Neugeschäft zuletzt um 80 Prozent, wenngleich von kleiner Basis.
Der Start ins neue Geschäftsjahr lief positiv, sagte Ostermann: `Wir sind im ersten Quartal über alles im höheren einstelligen Prozentbereich gewachsen.´ Allerdings dämpften `ambivalente wirtschaftliche Voraussetzungen für 2017/18 den Ausblick. Möglich sei ein `moderates Wachstum im Neugeschäft´. Die Sparkassen seien ein wichtiger Partner, auch kleinteiliges Geschäft sei lukrativ.
Kritisch äußerte sich Ostermann zur Regierung: `Der Koalitionsvertrag ignoriert weitgehend die Belange der Wirtschaft.´ Auch die Unruhe infolge des Dieselurteils des Bundesverwaltungsgerichts, das Fahrverbote erlaubt, sei nicht förderlich. Das Geschäft mit Flotten sank 2016/17 um sechs Prozent. Doch weit überwiegend sei die Deutsche Leasing schon mit modernen Dieseln der Abgasnorm Euro 6 unterwegs - ein Grund zur Entwarnung.