www.welt.de, 13.12.2017

 

Bobic kritisiert Bayern-Gerüchte - und vertraut Kovac

Das sagt Trainer Niko Kovac über seine Zukunft

Er hat Eintracht Frankfurt von den Abstiegsplätzen geführt und zu einem Europa-Aspiranten geformt. Der Erfolg ist auch bei der Liga-Konkurrenz nicht entgangen. SGE-Trainer Niko Kovac ist begehrt - und das sagt er dazu.

25 Punkte, Platz fünf - und das beste Auswärtsteam. Eintracht Frankfurt weiß zu überzeugen. Doch Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Auf die Gerüchte um Trainer Kovac gibt Sportvorstand Bobic nichts.

Auf fünf Positionen hatte er im Vergleich zum vorherigen Spiel die Mannschaft geändert - und nach acht Minuten hatte er dann gleich noch zum ersten Mal wechseln müssen. Dennoch wusste das von Niko Kovac trainierte
Eintracht Frankfurt in Hamburg zu überzeugen. Mit dem 2:1 (2:1) beim HSV avancierten die Hessen zum besten Auswärtsteam der Liga - mit nun mehr 18 Punkten, die sie auswärts geholt haben, überflügelten sie gar den Ligaprimus FC Bayern.
„Wir haben in der ersten Halbzeit unheimlich gut gespielt. Aber wir hätten schon da alles zumachen müssen“, lobte Fredi Bobic. Frankfurts Sportvorstand ist es zusammen mit seinem 46-jährigen Trainer erneut gelungen, ein Team zusammenzustellen und zu formen, das sich zu behaupten weiß. 25 Punkte und Platz fünf, der aktuell die Teilnahme an der
Europa League bedeuten würde, sind der Lohn.
Dabei hatte der gebürtige Berliner Kovac, wie schon in der Saison davor, viele neue Spieler integrieren müssen - 13 an der Zahl. Zwar waren es zwei Zugänge weniger als zu Beginn der Spielzeit 2016/17, aber die Aufgabe war nicht minder schwer.
Zumal Kovac einen Multikultikader mit Legionären aus insgesamt 23 Ländern trainiert.

Eintracht mit Bundesliga-Rekord

Beim 1:0 der Eintracht Anfang August in Köln lief die Eintracht mit elf Legionären aus elf Ländern in der Startelf auf. Damit stellte sie einen Bundesliga-Rekord auf - elf ausländische Profis hatte zuletzt der 1. FC Köln in der Saison 2008/2009 beim 0:3 gegen den VfB Stuttgart aufgeboten. Damals waren es jedoch Spieler aus nur zehn verschiedenen Ländern.


Niko Kovac ist seit Frühjahr 2016 Trainer von Bundesligist Eintracht Frankfurt. Der frühere defensive Mittelfeldspieler war zuvor Nationaltrainer von Kroatien

Das Zusammenspiel in Frankfurt läuft perfekt. Auf dem Platz und außerhalb. „Der Sieg in Hamburg und die 25 Punkte, die wir nun haben, sind sehr viel wert. Denn in dieser Saison ist die Leistungsdichte sehr hoch“, betont Sportvorstand Bobic. Dass Erfolg auch Begehrlichkeiten weckt, weiß der 46-jährige Ex-Profi und Nationalspieler nur zu genau. Aber Sorgen darüber, dass ihm jemand von der Fahne springen könnte, macht er sich keine. Auch in Bezug auf Niko Kovac bleibt Bobic ganz entspannt.

„Das ist doch Wahnsinn“

Kovac, der im Frühjahr 2016 zur Eintracht kam, wurde jüngst mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht. Er sei, so hieß es, ein Trainer-Kandidat auf die Nachfolge von Jupp Heynckes. Frankfurts Sportvorstand Bobic aber gibt nichts auf dieses Gerücht. Er verwies am Mittwochmorgen noch einmal darauf, dass Kovac einen Vertrag bei der Eintracht habe und sich sehr wohlfühlen würde in Frankfurt. Man sei im ständigen Austausch und dabei, bei der Eintracht etwas aufzubauen. Bobic und Kovac kennen sich seit Jahren - und schätzen sich sehr.
„Die Bayern werden schon einen Trainer finden“, meint Bobic, der den Hype um die Trainer aktuell in Deutschland übertrieben findet. Da werde mehr spekuliert als „normalerweise in Bezug auf Spieler“. Heute sei der Trainer da ein heißer Kandidat, morgen dann der Trainer wieder da.
„Das ist doch alles Wahnsinn“, sagte Bobic. „Und es doch nicht mehr normal, dass Julian Nagelsmann beispielsweise nicht mal in Mainz auf der Tribüne sitzen und den kommenden Gegner Dortmund beobachten kann, ohne dabei mit dem
BVB in Verbindung gebracht zu werden.“

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