F.A.Z. Rhein-Main-Zeitung, 22.04.2008

 

Eine unsichere Rückkehr Funkel bremst Kyrgiakos

Eintracht Frankfurt vor dem Heimspiel gegen Dortmund

FRANKFURT. Der Mann mit der Maske will es wieder wissen. Mutig schraubt sich Sotirios Kyrgiakos in die Höhe und nimmt mit seinem wuchtigen Körper eine Bogenhaltung ein, die für Kopfbälle förderlich ist. Doch daraus zu folgern, dass der zuletzt doppelt an der Nase getroffene Grieche an diesem Freitag wieder für die Frankfurter Eintracht um Punkte in der Bundesliga kämpft, hält Trainer Friedhelm Funkel für äußerst vage. "Die Spieler wollen immer spielen, doch entscheiden tue ich. Ich tendiere derzeit dazu, ihn nicht spielen zu lassen." Zu frisch ist demnach immer noch der letzte Zusammenprall beim Auswärtssieg in Leverkusen (29. März), als sich Kyrgiakos innerhalb von zwei Wochen zum zweiten Mal das Nasenbein gebrochen hatte. Ob der Innenverteidiger vielleicht doch eine Chance hat, seine Rückkehr in die Stammelf am Freitagabend gegen Borussia Dortmund spielend zu feiern, will Funkel auch von ärztlichen Untersuchungsergebnissen der kommenden Tage abhängig machen.
Borussia Dortmund, den unterlegenen Finalteilnehmer des Berliner Pokalwochenendes, hat Funkel persönlich in Augenschein genommen, ist doch eine Reise in die Hauptstadt auch für den erfahrenen Coach "immer wieder eine lohnende Sache", wie er am Montag sagte. Dabei habe ihn die zuletzt im Ligaalltag zweimal böse geschlagene Borussia beeindruckt. "Ich habe das erwartet, denn sie haben eine richtig gute Mannschaft, und mein Kollege Thomas Doll hat das taktisch hervorragend gemacht. So wie sie gegen die Bayern in Berlin gespielt haben, habe ich die Dortmunder eigentlich in der Bundesliga erwartet." Dass die Westfalen im Kerngeschäft Bundesliga auf eine enttäuschende Saison zurückblicken und Doll vor einer ungewissen Zukunft steht, interessiert Funkel herzlich wenig. "Wir wollen am Freitag gewinnen. Alles andere ist für mich nicht relevant."
Auch abseits der großen Fußballbühne gibt es Spiele mit Reiz. Eins findet für die erstklassigen Eintracht-Profis an diesem Dienstag in Bad Soden-Neuenhain statt. Funkel wird mit dem kompletten Kader anreisen, um die Gelegenheit zu nutzen, Basisarbeit zu betreiben. Die Partie, die unter einem guten Stern steht und zu Gunsten der Stiftung Leberecht der "Frankfurter Neuen Presse" von 18.30 Uhr an ausgetragen wird, ist schon länger ausverkauft. 2500 Fußballfreunde werden vor allem Spieler aus der zweiten Reihe zu sehen bekommen. So hat Funkel in Aussicht gestellt, beispielsweise Evangelos Mantzios an seinem 25. Geburtstag ebenso aufzubieten wie die Verteidiger Norman Theuerkauf und Jürgen Mössmer oder den Iraner Mehdi Mahdavikia. Auch Christoph Preuß kann sich berechtigte Hoffnungen machen, nach längerer Abwesenheit möglicherweise eine Halbzeit am Ball zu sein.
Irgendwann richtig am Ball für die Eintracht sein - das ist auch das Ziel des in der Winterpause verpflichteten Brasilianers Caio. Von seinem Entdecker Bernd Hölzenbein in den höchsten Tönen angepriesen, wartet der teuerste Transfer in der Geschichte der Frankfurter Eintracht auf eine Art Durchbruch. Der 21 Jahre alte Südamerikaner hat beim 2:1-Heimsieg gegen Energie Cottbus zwar dank seiner überragenden Schusstechnik ein vielbeachtetes Tor erzielt, seinen vorgesetzten Trainer wegen Schwächen im Defensivverhalten aber noch nicht überzeugt. Ändern könnte sich dies im Sommer, wenn die Eintracht ihre sechswöchige Vorbereitungsphase auf die neue Saison bestreitet. Funkel will zweimal in Österreich Quartier beziehen. "Da muss Caio richtig Gas geben", sagt er. "Dort kann er sich in die Form bringen, die er braucht." Ein Brasilianer in den Bergen. Man darf gespannt sein.
RALF WEITBRECHT
"Im Sommer muss Caio richtig Gas geben.  In Österreich kann er sich in die Form bringen, die er braucht."
Eintracht-Trainer Funkel