Badische Zeitung, 05.12.2017

 

Stadt Haslach bleibt ein Nadelöhr

STEINACH/HASLACH. Das Regierungspräsidium Freiburg (RP) hat das Planfeststellungsverfahren für den dreispurigen Ausbau der B 33 zwischen Steinach und Haslach-West mit Umbau des Anschlusses Steinach eingeleitet. Die gesetzlich vorgeschriebene Offenlage der Unterlagen startet an diesem Dienstag. Derweil bleibt Haslach ein Nadelöhr: Wo und wie die Ortsumfahrung angelegt wird, steht laut Bürgermeister Saar noch immer in den Sternen - ebenso wann nach Jahrzehnte langer Planung endlich mit den Bauarbeiten gerechnet werden kann.

Die Strecke zwischen Steinach und Haslach ist zusammen mit dem Abschnitt Gengenbach-Nord bis Gengenbach-Süd einer der letzten beiden noch fehlenden Abschnitte im Zusammenhang mit dem Ausbau der B 33 zwischen Offenburg und Haslach. Der dreispurige Ausbau soll den Verkehrsfluss verbessern und die Verkehrssicherheit erhöhen. Die Statistik zeige, so das RP, dass die Unfallhäufigkeit in den vergangenen Jahren sowohl auf der freien Strecke als auch an der Anschlussstelle Steinach leicht angestiegen ist.

Die Erweiterung um eine Fahrspur beginnt in Steinach direkt nach der Kinzigbrücke und endet bei Haslach-West. Zudem ist vorgesehen, bei Steinach durch das Anlegen von Ein- und Ausfädelungsstreifen ebenfalls die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Zur Verbesserung der Lärmsituation werden in Steinach die Lärmschutzwände erhöht sowie neue gebaut. Passiver Lärmschutz wie Lärmschutzfenster ist zudem an einigen Gebäuden in Steinach und Bollenbach vorgesehen. Zur Planung zählen auch landschaftspflegerische Maßnahmen, darunter die Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Kinzig am Steinacher Wehr.

Die zu genehmigenden Planunterlagen liegen von kommenden Dienstag, 5. Dezember, bis Donnerstag, 18. Januar 2018, in den Rathäusern von Steinach und Haslach zur Einsicht aus. Der Zeitraum wurde wegen der Ferienzeit über die gesetzlich vorgesehene Frist von einem Monat hinaus verlängert. Jeder, dessen Belange durch das Vorhaben berührt werden, kann bis zwei Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist Einwendungen erheben.

Zwischen Steinach und Haslach-West kommt also Bewegung ins Spiel: Nadelöhr im Kinzigtal bleibt aber auf nicht absehbare Zeit die Ortsumfahrung Haslach. An dem Thema haben sich der langjährige Bürgermeister Heinz Winkler - er wurde im Frühjahr nach 32 Jahren aus seinem Amt verabschiedet - und der Gemeinderat geradezu die Zähne ausgebissen. Trotz mannigfaltiger Bemühungen, hochrangigen Verkehrspolitikern aus Bund und Land, von Steffen Bilger bis Staatssekretär Norbert Barthle, die Situation vor Ort zu erläutern, liegt bislang keine endgültige künftige Variante fürs Städtchen vor.

Genugtuung verschaffte zuletzt immerhin im März 2016 die Nachricht, die Ortsumfahrung, quasi die Strecke von Haslach-West bis Haslach-Ost, im neuen, bis 2030 reichenden Bundesverkehrswegeplan als "vordringliche" Maßnahme unterzubekommen. Geschätzte Kosten: rund 50 Millionen Euro. Damit sind auch die letzten Träume etlicher Lokalpolitiker von einem Tunnel ausgeträumt. Der wurde mal auf bis zu 140 Millionen Euro geschätzt - zu teuer. Nun geht es wohl darum, eine Trasse durchs Gewerbegebiet hinzubekommen, quasi in Sichtweite der Kinzig. Allerdings dürfte sie wohl nicht vier-, sondern nur zweispurig werden.

Winklers Nachfolger ist seit einem halben Jahr Philipp Saar. Der weist auf BZ-Anfrage darauf hin, dass das Thema derzeit beim Regierungspräsidium liege. Die Freiburger Behörde sei primär damit beschäftigt, für die Ortsumfahrung die adäquate Trasse zu finden. Ein riesiges Überwerfungsbauwerk über die bestehende Bundesstraße 33 am Ortsausgang in Richtung Hausach lehnt die Stadt ab, plädiert für eine Unterführung. Das RP prüft jetzt laut Philipp Saar "alles, was dort kreucht und fleucht", also den Lebensraum von Kleintieren. Zudem werden die Gesteinsschichten untersucht sowie der Grundwasserstand. "Wir hoffen darauf, bis Herbst 2018 die Auswertung zu haben." Egal, wie die Planungen weitergehen: Saar zeigte sich zuversichtlich, sagte er zum Amtsantritt im Frühjahr, "dass wir in meiner Amtszeit als Bürgermeister einen Kompromiss werden erzielen können". Jedenfalls soll dies "nicht mehr Jahrzehnte dauern".

Die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren können ab dem 5. Dezember unter
http://www.rp-freiburg.de/Aktuelles eingesehen werden.