Spiegel online, 23.04.2010

 

Sonne schleudert gigantische Strahlungsfackeln ins All

Was für ein Inferno: Die Sonne schickt Eruptionen Hunderttausende Kilometer weit ins All. Ein neuer Satellit hat jetzt Fotos von dem kosmischen Spektakel zur Erde gefunkt - sie zeigen unseren Stern in bislang ungekannter Präzision.

Hamburg - Gigantische Plasma-Ausbrüche, brodelnde Gasstrudel und wirbelnde Magnetfelder: Das neue Sonnenobservatorium SDO der US-Raumfahrtbehörde Nasa hat seine ersten Aufnahmen von unserem Stern zur Erde gefunkt. Auf den Bildern vom 30. März wölbt sich zum Beispiel eine mehr als 100.000 Kilometer hohe Gasschleife über die Sonne, eine sogenannte Protuberanz.

"Diese Auftaktbilder zeigen eine dynamische Sonne, wie ich sie in 40 Jahren Sonnenforschung noch nie gesehen habe", schwärmt Nasa-Direktor für Sonnenphysik, Richard Fischer.

Das Solar Dynamics Observatory (SDO) war am 11. Februar ins All geschossen worden und soll mindestens fünf Jahre lang die Sonne beobachten. Der Satellit hat die Ausmaße eines Kleinwagens. Er kreist in mehr als 30.000 Kilometern Höhe. Mit ihm wollen Wissenschaftler die gesamte Sonnenscheibe einschließlich Atmosphäre, Oberfläche und einem Teil des Sterninneren zugleich beobachten.

Die drei Instrumente an Bord messen Strahlung in einem großen Frequenzbereich. Zudem liefern sie Daten über die magnetische Aktivität der Sonne, die bis zur Erde reicht.

Die Mission soll nicht nur das Verständnis der Sonnenphysik fördern, sondern auch frühzeitige Warnungen vor Sonnenausbrüchen ermöglichen. Solche Eruptionen schleudern elektrisch geladene Gaswolken ins All, die auch das Magnetfeld sowie Kommunikation, Flugverkehr und Stromleitungen auf der Erde beeinträchtigen können.

boj/dpa