Spiegel online, 22.04.2010

 

Umweltschützer entdecken fliegenden Frosch

Borneo

Ein fliegender Frosch, der seine Farbe ändert, und eine flammenfarbene Schlange: Das sind zwei Beispiele von 123 neuen Arten, die Umweltschützer auf der Insel Borneo aufgespürt haben. Der Wald dort schwindet allerdings bedrohlich schnell - und damit der Lebensraum weiterer Arten.

Frankfurt am Main - Der Regenwald auf der südostasiatischen Insel Borneo schwindet beständig. Satellitenbilder zeigen, wie schnell die grüne Decke kleiner wird. Drei Staaten teilen sich die Fläche des Eilands: das Sultanat von Brunei Darussalam im Norden, Malaysia im Nordwesten und Indonesien im Süden. Sie haben vor drei Jahren versprochen, zumindest eine 220.000 Quadratkilometer große Region im Herzen der drittgrößte Insel der Welt zu schonen.

Neue Forschungsergebnisse zeigen, wie wertvoll Borneos Waldgebiete sind. Innerhalb von drei Jahren haben Forscher dort nämlich 123 neue Tier und Pflanzenarten entdeckt. Die Umweltschutzorganisation WWF hatte die Suche initiiert und berichtet darüber in dem Report "Borneos New World". Insgesamt wurden 66 neue Pflanzenarten, 29 Wirbellose, 17 Fische, 5 Frösche, 3 Schlangen, 2 Echsen und ein Vogel neu entdeckt.

Spektakulär ist zum Beispiel der fliegende Mulu-Frosch. Er hat nach Angaben der Umweltschützer Flughäute zwischen den Zehen und Fingern. Damit schaffe er kurze Gleitflüge von Baum zu Baum. Die Tiere könnten auch die Farbe verändern, je nach Tageszeit von Hellgrün in der Nacht zu Braun am Tag. Auch eine neu entdeckte Schlange, die Kopstein Bronzerückennatter, beherrscht spektakuläre Farbspiele: Bei Gefahr zeigt der Nacken der Giftschlange ein flammendes Rot.

Nach wie vor sind die Wälder von Borneo in Gefahr - und mit ihnen die neu entdeckten Arten. Haupttreiber der ungebremsten Entwaldung sei das Anlegen von Plantagen aus Ölpalmen oder schnellwachsenden Baumarten für die Zellstoffproduktion. Die Wälder auf Borneo, die zu den am meisten gefährdeten der Welt gehörten, sollten laut WWF stärker geschützt werden, damit Tiere und Pflanzen nicht schon aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden.

chs/dpa